Der Weihnachtsschinken (aka The Pot Roast Principle)

Ich koche gerne und schaue ab und zu Kochshows, um mich inspirieren zu lassen und neue Kochmethoden zu lernen.
Im November 2012 habe ich eine Sendung gesehen, die mich zwar nicht für das nächste Abendessen inspirierte, sondern meine Sicht auf Gewohnheiten und Veränderungen nachhaltig geprägt hat, sowohl im Privatleben als auch im Arbeitsleben.


Ein junger amerikanischer Koch erzählte, dass er bereits von seiner Mutter gelernt hatte, den Weihnachtsschinken zuzubereiten, bevor er in die Kochschule ging.

Als sie in der Kochschule erstmals einen Schinken zubereiten sollten, dachte er: „Ha, das kann ich schon“, schnitt selbstbewusst ca. Sein Lehrer schaute ihn überrascht an und fragte, warum er ein gutes Stück Fleisch wegwerfe. Der Koch musste zugeben, dass er es selbst nicht wusste, und vermutete, dass dieser Teil des Schinkens nicht essbar sei. Sein Lehrer erklärte ihm daraufhin, dass dies ein gutes und essbares Stück Fleisch sei, das auf keinen Fall abgeschnitten werden müsse.

Verwirrt rief er am Abend seine Mutter an und fragte sie, warum sie das Endstück immer abschneide. „Keine Ahnung“, antwortete sie. „Meine Mutter hat das immer so gemacht.“

Also rief der Koch seine Grossmutter an. Diese sagte: „Ich habe das von deiner Urgrossmutter gelernt, sie hat mir das so beigebracht.“

Schliesslich besuchte er seine Urgrossmutter und fragte sie nach dem Rezept für den Weihnachtsschinken und warum sie immer ein Stück abschneide. Sie lachte und erklärte: „Damals war mein Ofen zu klein. Deshalb musste ich am Ende ein grosses Stück abschneiden, damit der Weihnachtsschinken überhaupt hineinpasste.“


Was also einst eine praktische Lösung für ein konkretes Problem war, wurde über Generationen hinweg zur festen Gewohnheit – obwohl der ursprüngliche Grund längst nicht mehr bestand.

Viele unserer Gewohnheiten und Routinen haben ihren Ursprung in den Lebensumständen unserer Eltern und Grosseltern. Technische Möglichkeiten, gesellschaftliche Erwartungen und alltägliche Rahmenbedingungen waren damals oft völlig andere. Auch unser soziales Umfeld und insbesondere Werbung prägen unser Verhalten oft stärker, als uns bewusst ist.
Unbewusst übernehmen wir Vorgehensweisen und Erwartungen, ohne ihren Sinn zu hinterfragen. Genau deshalb lohnt es sich, unsere Gewohnheiten regelmässig zu überprüfen: Passt diese Vorgehensweise heute noch? Gibt es inzwischen einfachere oder technische Lösungen? Passt das überhaupt noch in mein Leben und zu meinen Werten – oder mache ich es nur (so), weil ich es nie anders kennengelernt habe?

Vielleicht wirfst auch du irgendwo in deinem Alltag sinnbildlich ein gutes Stück Weihnachtsschinken weg – ohne es zu merken. Wenn du herausfinden möchtest, wo das passiert und wie du unnötige Gewohnheiten durch bessere Lösungen ersetzen kannst, hilft dir The Mira Way dabei.

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