Letzte Woche stand die Neuverteilung der Ämtli für meine zwei Kinder an (für Leser aus DE/AT: Ämtli sind «Aufgaben im Haushalt»). Meine Kinder haben jeweils ihre Ämtli, welche sie aufs neue Schuljahr miteinander tauschen dürfen. Auch kommen jedes Jahr neue Aufgaben dazu, sie werden ja schliesslich älter.
Motiviert, mehr Arbeit zu delegieren (hohoho), setzte ich mich mit gezücktem Stift vor zwei neue, leere Karten. Und mir fiel nichts ein. Gar nichts. Zuerst dachte ich, ich hätte einfach einen Blackout. Es muss doch noch genügend Aufgaben geben, schliesslich gibt es in jedem Haushalt unzählige Dinge zu erledigen! Also habe ich mir Inspiration von aussen geholt.
Ich fragte andere Mütter im Umkreis mit gleichaltrigen Kindern. Diese nannten ein paar Dinge, die wir bereits machen (Abfall wegbringen etc.) und einen Haufen Dinge, die bei uns im Haushalt gar nicht (mehr) existieren.
Auch ChatGPT lieferte eine lange Liste – aber mit dem gleichen Ergebnis: einen Teil hatten wir schon auf die Familienmitglieder verteilt, aber das meiste fällt bei uns gar nicht an.
Erst da wurde mir wieder klar, zu welchem Aussmass ich «The Mira Way» bereits umgesetzt hatte: Die meisten Aufgaben, die viele Haushalte (und vor allem Mütter) so belasten, gibt es bei uns entweder gar nicht mehr oder sie laufen ganz anders ab. Ich selbst schätze, dass ich meinen Aufwand über die Jahre um ca 90% reduziert habe.
Viele Aufgaben haben wir vereinfacht. Manche haben wir automatisiert. Zwei Themen haben wir auch outgesourct (übrigens weniger, um die Arbeit abzuschieben, sondern mehr als Vermeidung von Streit). Aber viele haben wir komplett vermieden und somit abgeschafft oder zu einem Bruchteil des Aufwandes reduziert.
Viele denken beim Wort » Haushaltsaufgaben vermeiden / abschaffen» sofort an Unordnung und Schmutz, aber tatsächlich bedeutet es etwas ganz anderes: Wir haben einfach unsere Abläufe verändert, Naturgesetze geschickt angewendet und unsere Systeme so ausgelegt, dass gewisse Aufgaben gar nicht mehr entstehen. Und es ist vermutlich sogar ordentlicher und sauberer als vorher.
Die beste delegierte Aufgabe ist die, die gar nicht mehr existiert.
Ich finde es nicht schlimm, dass wir keine weiteren Ämtli gefunden oder gar erfunden haben. Neben den täglichen Aufgaben – wie Spülmaschine ausräumen und Tisch fürs Abendessen decken – haben sie noch jeweils 3 weitere Aufgaben, die alle 2-4 Wochen anfallen und jeweils 5-10 min dauern. So lernen sie immer noch, Verantwortung zu übernehmen und verschwenden keine Zeit mit Aufgaben, die sich vermeiden lassen. Mein Jüngster ist sogar hochmotiviert, seine Aufgaben weiter zu vereinfachen oder abzuschaffen und wendet bereits «The Mira Way» an. Kinderleicht also!
Viele Optimierungsratgeber beschäftigen sich damit, wie wir mehr schaffen. The Mira Way beschäftigt sich mit der Frage: wie schaffen wir es, damit es gar nicht mehr getan werden muss?
Denn jede Aufgabe, die verschwindet, muss niemand mehr planen, delegieren, kontrollieren oder erledigen.
Und genau dort beginnt echte Vereinfachung – und weniger Mental Load.
The Mira Way versucht aber nicht, Haushaltsaufgaben besser zu verteilen, sondern die Anzahl der Haushaltsaufgaben zu reduzieren.

